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    iPhone-Reporter gewinnt Fotografen-Preis

    3. Platz "A GRUNT'S LIFE"

    3. Platz "A GRUNT'S LIFE"

    DAMON WINTER MIT “PICTURE OF THE YEAR INTERNATIONAL” PRÄMIERT

    Der New-York-Times-Fotograf Damon Winter hat einen Preis gewonnen. Eigentlich ein Grund zur Freude. Trotzdem ruft die Auszeichnung Kritiker auf den Plan. Denn Winter hat seine prämierte Fotoreportage “A Grunt’s Life” über die Arbeit des 2. Battalions der US-Infanterie nicht mit großen Equipment geschossen, sondern mit einem iPhone 4 und der App Hipstamatic. Unter Fotografen ist nun ein Streit darüber entbrannt, was Fotografen dürfen und ob ein Smartphone-Bild noch etwas mit Fotojournalismus zu tun hat.


    Schon vor einiger Zeit sorgte Winters iPhone-Reportage für Aufsehen. Nie zuvor hatte ein professioneller Fotograf mit einem Smartphone eine ganze Fotoreportage gestemmt. Immerhin unterscheiden sich Fotojournalisten von Amateuren nicht nur durch Können, sondern auch durch ihr professionelles und sehr teures Equipment. Winter bewundert in seinem NYT-Blog “Lens” die Authentizität der Aufnahmen: „Selbst die Soldaten knipsten sich gegenseitig mit ihren Telefonen. Da fiel ich weniger auf als mit meinem großen Equipment.“ Genau das scheint auch den Charme seiner Fotoreportage auszumachen. Winters Bilder von der Front haben ihren ganz eigenen Charme. Ohne stilisierten Fokus. Ohne Bewegungsunschärfe. Sehr direkt, unmittelbar und authentisch. So, als würde der Fotograf komplett in seiner Umgebung aufgehen und nicht weiter auffallen.

    “Also das ist Fotojournalismus?”

    Der 2009 bereits mit dem Pulitzer-Preis in der Kategorie “Feature Photography” ausgezeichnete Fotograf hat für “A Grunt’s Life”nicht die Standard-Foto-App genutzt, sondern Hipstamatic. Das Programm simuliert alte Retro-Kameras auf dem High-Tech-Smartphone, inklusive virtuellem Blitz und Sucher. Dabei werden die Bilder über- oder unterbelichtet und erhalten einen typischen Retro-Look samt Farbstich und Rahmen. Und mit Hilfe genau dieses Programms hat Winter nun den dritten Platz in der Kategorie “Newspaper” des “Picture of the Year International”gewonnen, das jährlich von der Missouri School of Journalism vergeben wird. Eine renommierte Veranstaltung, die seit 1944 Bestand hat.

    Mit der Auszeichnung ist eine Diskussion unter Fotojournalisten entbrannt, inwiefern solche Methoden noch etwas mit wirklichem Fotojournalismus zu tun haben. So schreibt der Fotograf Chip Litherland in seinem Blog: “Die Tatsache, dass es auf einem Smartphone aufgenommen wurde, ist nicht relevant und in Ordnung. Aber was relevant ist, ist die Tatsache, dass das Bild durch eine App verändert wurde und damit das verfälscht wiedergibt, was da war, als die Aufnahme gemacht wurde. Dann ist es nicht mehr Fotojournalismus, sondern Fotografie.” Gleich zu Beginn seines Schreibens heißt es: “Also das ist Fotojournalismus? Wenn die Antwort ja ist, dann ist das, was wir unter Fotojournalismus in seiner reinsten Form verstehen, vorbei. Und der POYi (Picture of the Year International) hat es gerade gekillt”.

    Damon Winter hat darauf wieder in seinem Blog eine Replik verfasst. Seiner Meinung nach müsse man die Debatte auf die Inhalte herunterbrechen. Außerdem würden Fotografen, die direkt mit analogen Kameras arbeiten, gewollt und absolut bewusst ähnliche Resultate erzielen. Für ihn ist es kein Unterschied, ob eine App ein Bild leicht verändert, um so eine eindrücklichere Atmosphäre zu schaffen. Nichts anderes mache der Fotograf, der seiner Aufnahme mehr Kontrast verleiht, es schwarz-weiß druckt oder bestimmte Bereiche im Bild nachschärft. Immerhin seien Fotografen auch “Geschichtenerzähler”.

    Felix Disselhoff

    Quelle: Meedia Topstory

    Mit freundlicher Genehmingung von Meedia

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